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Regelkunde: Mitschreiben
Von Burkhard Atze | 14.Dezember 2007
Aufgrund mehrer Vorkommnisse in letzter Zeit sollen hier nochmals die Regeln zum Mitschreiben reflektiert werden.
Artikel 8.1 der Fide-Regeln:
Im Laufe der Partie ist jeder Spieler verpflichtet, seine eigenen Züge und die seines Gegners auf korrekte Weise aufzuzeichnen, Zug für Zug, so klar und lesbar wie möglich, in algebraischer Notation (Anhang E), auf dem für das Turnier vorgeschriebenen “Partieformular”. Es ist verboten, Züge im Voraus aufzuschreiben, es sei denn, der Spieler reklamiert remis nach Artikel 9.2 oder 9.3.
Es ist also verboten Züge aufzuschreiben, bevor sie auf dem Brett ausgeführt wurden. Einzige Ausnahme ist, das man mit seinem nächsten Zug eine dreimalige Stellungswiederholung herbeiführen würde und beabsichtigt auf Remis zu reklamieren. In diesem Fall schreibt man den Zug auf ohne ihn auszuführen und reklamiert beim Schiedsrichter auf Remis.
Ein Spieler darf, wenn er es wünscht, auf den Zug seines Gegners antworten, bevor er ihn aufzeichnet. Er muss seinen eigenen vorangegangenen Zug aufzeichnen, bevor er einen neuen macht. Beide Spieler müssen ein Remisangebot auf dem Partieformular aufzeichnen (Anhang E.13).
- Man muss seinen letzten Zug aufgeschrieben haben, bevor man einen neuen Zug ausführt.
- Remisgebote müssen aufgezeichnet werden, das Regelwerk sagt auch wie nämlich mit (=)
Falls es einem Spieler nicht möglich ist, die Partie aufzuzeichnen, kann er einen für den Schiedsrichter akzeptablen Assistenten einsetzen, um die Züge zu notieren. Seine Bedenkzeit wird vom Schiedsrichter angemessen angepasst.
8.2Das Partieformular muss vom Schiedsrichter die ganze Partie hindurch gesehen werden können.
Man darf das Formular also nicht falten oder unter das Brett schieben.
8.3Die Partieformulare sind Eigentum des Turnierveranstalters.
8.4Wenn ein Spieler in einer Zeitperiode zu irgendeinem Zeitpunkt weniger als fünf Minuten Restbedenkzeit hat, ist er nicht verpflichtet, die Anforderungen von Artikel 8.1 zu erfüllen. Dies gilt nicht, wenn er pro Zug mindestens 30 zusätzliche Sekunden zu seiner Bedenkzeit hinzugefügt bekommt. Nachdem ein Fallblättchen gefallen ist, muss der Spieler seine Aufzeichnungen sofort, vor Ausführung eines Zuges auf dem Schachbrett, vollständig nachtragen.
- Man ist von der Pflicht des Mitschreibens nur entbunden, wenn man weniger als 5min Restbedenkzeit hat.
- Nach dem Fall des Blättchens müssen die Züge vollständig nachgetragen werden, bevor ein Zug ausgeführt wird.
- Das Nachschreiben geht zu Lasten der eigenen Zeit.
- Man muss nicht “stricheln”. Das Stricheln ist nur ein Anhaltspunkt für einen selbst, das man die Zeitkontrolle geschafft hat und hat keine Beweiskraft.
8.5 a Wenn gemäß Artikel 8.4 kein Spieler mehr mitschreiben muss, soll, wenn möglich, der Schiedsrichter oder ein Assistent anwesend sein und mitschreiben. In diesem Fall hält der Schiedsrichter, unmittelbar nachdem eines der Fallblättchen gefallen ist, die Uhren an. Daraufhin tragen beide Spieler ihre Aufzeichnungen unter Benutzung der Aufzeichnungen des Schiedsrichters oder des Gegners nach.
- Wenn beide nicht mehr mitschreiben müssen, soll jemand mitschreiben. Nicht vorher! Es ist eine Unart, sich neben das Brett zu setzen und mitzuschreiben. Die Kontrahenten dürfen die Mitschrift (auf einem neutralen Formular – Hinweis von Schachfreund Coder, siehe Kommentar) nicht sehen und der Schiedsricher (sein Assistent) unterlässt es ihnen die Zugzahl bekannt zu geben.
- Fällt das Blättchen hält der Schiedsrichter (sein Assistent/der Mitschreiber) die Uhr an. Die Kontrahenten vervollständigen die Notation bei angehaltener Uhr
8.5 b Wenn nur einer der Spieler gemäß Artikel 8.4 nicht verpflichtet ist, mitzuschreiben, muss er, sobald ein Fallblättchen gefallen ist, seine Aufzeichnungen vor Ausführung eines Zuges auf dem Schachbrett vollständig nachtragen. Vorausgesetzt, dass der Spieler am Zuge ist, darf er das Partieformular seines Gegners benutzen, muss es aber zurückgeben, bevor er zieht.
Ich denke hier ist alles klar. Wichtig ist, dass hier normalerweise kein Schiedsrichter/Assistent geschweige denn unaufgefordert ein Freund/Mannschaftskamerad mitschreiben soll.
8.5 c Wenn keine vollständige Aufzeichnung vorliegt, müssen die Spieler die Partie auf einem zweiten Schachbrett unter Aufsicht des Schiedsrichters oder eines Assistenten rekonstruieren. Dieser zeichnet als erstes, bevor die Rekonstruktion beginnt, die aktuelle Partiestellung, die Uhrzeiten und die Zahl der ausgeführten Züge auf, falls diese Angaben erhältlich sind.
Dies kam im Mannschaftskampf gegen Cranzahl vor. Die Reaktion von Burkhard war dort auch nicht ganz korrekt. Vor der Rekonstruktion also Stellung, Zeit und Zugzahl notieren, falls das möglich ist.
Das ist der schlimmste Fall, den es zu vermeiden gilt.
8.6 Wenn die Partieformulare nicht auf den aktuellen Stand gebracht werden können und somit nicht zeigen können, ob ein Spieler die Bedenkzeit vor Ausführung der verlangten Zahl von Zügen überschritten hat, gilt der nächste Zug als der erste für die folgende Zeitperiode, außer in dem Fall, dass nachweisbar mehr Züge gespielt worden sind.
Klar.
8.7 Nach Ende der Partie unterzeichnen beide Spieler beide Partieformulare mit dem darauf notierten Partieresultat. Dieses Resultat bleibt gültig, auch wenn es falsch eingetragen worden ist, außer der Schiedsrichter entscheidet anders.
In meiner Zeit als Jugendspieler haben wir uns auch immer das Ergebnis unterschreiben lassen. Irgendwie ist das aus der Mode gekommen – ein eindeutiger Regelverstoß. Interessant ist hier, dass man tunlichst noch einmal kontrollieren sollte welches Resultat auf dem Formular steht, welches man unterschreibt.
Das wars zum Mitschreiben. Hier gibt es eine Menge zu Beachten. Fragen und Hinweise bitte über die Kommentarfunktion.
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15.Dezember 2007 at 22:27
Wenn beide nicht mehr mitschreiben müssen, soll jemand mitschreiben.
Anmerkung: dies muss vom Schiedsrichter oder von ihm beauftragte Person auf einem neutralem Partieformular geschehen!
15.Dezember 2007 at 23:22
Hallo Thorsten,
danke für den Hinweis, dies habe ich als selbstverständlich erachtet.
Ich empfehle immer auf einem neuen Partieformular bei Zug 1 zu beginnen, damit man selbst nicht weiß, ob die Zeit nun geschafft wurde oder nicht.
2.Februar 2008 at 09:56
[...] Ergebnisse 5. Runde Mannschaftsmeisterschaft : Schach im Vogtland bei Kantersieg gegen Aueadmin bei Regelkunde: MitschreibenThorsten Coder bei Regelkunde: MitschreibenRainer bei Hallo Welt!Realpatzer bei Hallo [...]
15.Juni 2009 at 20:55
In der vergangenen Saison beobachtete ich folgenden Fall: Mannschaft A spielte gg. Mannschaft B. Bei Mannschaft B hatte ein Spieler Zeitnot, nur noch 5 Minuten bis zur Zeitkontrolle etwa 25 Züge gemacht. Ein Mannschaftskollege setzte sich daneben und schrieb auf den original Partieformular des Spielers die weiteren Züge auf. Zwischendurch fragte der in Zeitnot befindliche Spieler seinen Mannschaftskollegen wieviel Züge noch zu machen sind bis 40 Züge. Selbstverständlich beantwortete der mitschreibende diese Fragen!
Was wurde alles falsch gemacht?