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Fischers Fritzen fischten frische Fische
Von Frank Weller | 2.Februar 2009
2. Landesklasse: SV Markneukirchen I – USG Chemnitz III: 4,5 : 3,5
1. Bezirksklasse: SV Markneukirchen II – SV Bösenbrunn: 4,5 : 3,5
2. Bezirksklasse: Empor West Zwickau – SV Markneukirchen III: 7,5 : 0,5
Burkhards Vorabmeldung kündete bereits davon: Der Fluch, der seit unserem ersten Kampf in der Fischerhütte des Gläsernen Bauernhofes auf uns lastete, ist gebannt! Vorbei, erledigt, vergessen! Am 7. Spieltag konnte Neikirngs Erste den ersten Heimsieg feiern. Und wie es aus uns herausbrach, als nach rund fünfeinhalb Stunden die letzte Partie damit endete, dass Burkhards Gegner ihm die Rechte hinstreckte zum Zeichen der Aufgabe. Das war kein Aufatmen, das war ein kollektiver Erlösungsschrei, der sich da Bahn durch die Kehlen der Umstehenden brach.
Der USG Chemnitz III geht es wie den meisten dritten und vierten Mannschaften der größeren Vereine, sie müssen immer die Löcher der ersten und zweiten Garnitur stopfen. Heraus kommen dabei Patchwork-Teams, die sich in jeder Runde neu formieren und sich von den Stammaufstellungen nicht weniger unterscheiden als Arzt und Patient. Für fest eingespielte Mannschaften sind sie nie berechenbar, als Paradebeispiel galt für uns immer die Bezirksligatruppe von Aue. Sieben Ersatzspieler waren da schon drin… Oft genug müssen Bretter freigelassen werden und – sind wir mal ehrlich – das drückt schon ein wenig auf `s Gemüt und natürlich auf die Motivation. Bei unserer Dritten ist das ja genauso, und man kann den Idealismus der Mannschaftsleiter nicht genug würdigen, die sich immer wieder um besetzte Bretter kümmern.
Die USG III spielte bereits zum 4. Mal in Unterzahl! Das 2. Brett blieb frei, was unseren Karl-Heinz zwar wurmte, aber für das Ergebnis entscheidend sein konnte. Die besten Punkte sind noch immer die, die einem geschenkt werden. Karl-Heinz nutzte die Gelegenheit, 15 weitere Bretter zu überwachen, denn die Zweite spielte ja wie immer mit uns zusammen daheim. Da bei uns Matthias ausfiel, sprang wieder mal unsere Zweite ein und borgte uns ihr Spitzenbrett. Trotzdem wollte man im obervogtländischen Derby gegen die Mannen von Bösenbrunn nicht verlieren und es versprach, spannend zu werden. Karl-Heinz hatte praktisch die VIP-Karte für den Spielsaal gelöst und konnte, gut umsorgt vom Fischerhüttenteam, sogar gastronomisch ordentlich zulangen. Nicht das schlechteste Schicksal für einen Sonntagvormittag, wie ich meine.
Allerdings machten wir es ihm nicht leicht. Die erste Partie in der Landesklasse wurde weit nach Mittag entschieden. Und bis zum Schluss war es nix für schwache Nerven. Claus-Peters junge Gegnerin heizte ihm anständig ein. Mit Opfern und forschem Spiel erkämpfte sie sich einen Qualitätsvorteil, welchen Claus-Peter aber durch aktives Gegenspiel kompensieren konnte. Mehr als ein Remis war aber nicht drin. Sein Kompliment hatte die Elftklässlerin jedenfalls sicher. Es sollte unser einziges Remis bleiben, was für den verbissenen Kampf charakteristisch war.
Seid mir nicht böse, wenn ich die Reihenfolge durcheinanderbringe, denn ich hatte genug mit mir zu tun in dieser Phase. Ich denke, dass als nächstes Gerd seine Partie beendete. Er konnte das Spiel nach einem Turmeinsteller des Chemnitzers für sich entscheiden. Ungewöhnlich aggressiv spielte Gerd nach vorn, opferte, musste auf Gegenoffensiven reagieren und spielte weiter nach vorn. Mit dem Glück auf seiner Seite wurde er nach längerer Enthaltsamkeit wieder belohnt. Im Gegenzug wurde der tapfere Ralf bestraft und haderte natürlich wieder mit sich. Völlig grundlos, denn er hielt sich recht wacker gegen den starken Radoslaw Buraczynski. Es ist keine Schande, gegen einen 225 DWZ-Punkte stärkeren jungen Mann zu verlieren, sondern eine gute Leistung, so lange gegenzuhalten.
Meine Partie kam als nächstes unter den Hammer und es war ein Fest für mich, den Zuschlag zu erhalten. 3…2…1…meins…man kennt das ja. Eine eigentlich ausgeglichene Stellung wurde durch das aktivere Spiel entschieden. Ein ganzer Punkt war lange nicht mehr drin gewesen, entsprechend groß war meine persönliche Feier. Vielleicht hat mich Claus-Peters Weisheit in den letzten Wochen etwas wachgerüttelt, welche ich hier zum Besten geben möchte: Es nützt nichts, eine schöne Stellung zu haben, man muss sie erst gewinnen. Und ohne Ideen und Aktivität setzt man da überhaupt nichts um. Was er mir noch für Ratschläge für meine Eröffnung gegeben hat, sag ich net…
Zack, da hatten wir schon 3 ½ Punkte und noch 3 Partien liefen! Bernds Spiel ging in der Zeitnot weg. Ein Fehler, und er vergab die besten Aussichten. Steffen hatte bereits eine Figur weniger, spielte aber weiter, um seine Kameraden nicht zu verunsichern. Und außerdem weiß man ja nie… Jedenfalls reichte er Rainer Kutscha die Hand, als dessen Vorteil zu groß für letzte Hoffnungen wurde.
Die letzten Steine des Tages wurden an Burkhards Brett geschoben. Erst hatte er eine Figur mehr und eine defensive Stellung. Dann gab er die Figur zurück und bekam einen Angriff. In der Schlussphase, als die Nerven bei allen blank lagen, spielte er mit einer Qualität mehr und hatte die Hände am Hals des schwarzen Königs. In offenem Spiel mit Schwerfiguren kann trotzdem viel passieren – viele von uns wissen das, haben ihre Erfahrungen bereits damit machen müssen. Bei Burkhard passierte nichts mehr, der Druck auf den König war zu groß.
Die Spannung bei der Zweiten gegen Bösenbrunn war nicht geringer. Hier standen am Schluss zwei schönen Siegen von Klaus und Michael die Niederlage von Jochen am ersten Brett gegenüber. Der Rest wurde remisiert. Am Ende. Denn die Remis-Partien waren nicht in jedem Falle Remis-Partien, sie gingen lediglich so aus! Auch hier war ein bisschen Glück mit im Spiel. Lobenswert waren sicherlich mehrere Partien, aber die habe ich nicht so gesehen. Hervorheben möchte ich aber Jochens frisches Spiel gegen Wolfgang Kolb, in dem er munter angriff und die weiße Königsstellung so sehr in Bedrängnis brachte, dass vielleicht oder sogar recht sicher ein Sieg drin gewesen wäre, hätte er konsequent weiter draufgedroschen. Er spielte aber verhaltener und vergab so seine Chancen.
Zu erwähnen ist, dass Daniel Bösecke erstmals in dieser Saison mitspielen konnte. Sein halber Punkt war Gold wert. Er rettete in der letzten Partie den Sieg für seine Mannschaft. Herzlichen Glückwunsch, Daniel! Wir würden dich gerne öfter sehen!
Markneukirchen III kam mit einer heftigen Niederlage im Gepäck von Zwickau zurück. Ein Brett musste freigelassen werden, weil Michael Reinsch mit schwerer Erkältung flachlag. Ein paar Partien gingen unnötig verloren, das Highlight war aber die von Philipp Kämpfe. Mit einer Figur mehr hätte er eigentlich klar Schiff machen können, ließ aber einen Bauern zur Dame werden und war klar besiegt. Sein Gegner ergriff im Verlaufe des Sturms auf den nunmehr wehrlosen Philipp die Dame und den Bauern, den sie schlagen sollte – und sah erst dann das Patt. Philipps Protest erhielt ihm den halben Punkt. Es sollte der einzige Zähler auf der Habenseite unserer gebeutelten Dritten sein.
Der Gesamteindruck des 7. Spieltags war trotzdem ungetrübt. Der Bock des Daheimnichtgewinnenkönnens wurde diesmal umgestoßen. Sollte schon jemand insgeheim daran gedacht haben, das Spiellokal zu wechseln, dann muss er sich nicht lächerlich machen und kann diese Gedanken für sich behalten. Wir fühlen uns wohl in der Fischerhütte und werden dort weiter Stammgast sein. Auch wenn unsere Angeln etwas anders aussehen, als die der sonstigen Besucher der Fischteiche, und wenn wir manchmal auch im Trüben fischen – wir ziehen hin und wieder auch einmal einen dicken Brocken an Land, der vorher gar nicht wusste, dass er schwamm…
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