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SOKO Abstieg – nichts für schwache Nerven
Von Frank Weller | 2.März 2009
2. Lk: SVM I – SV Saxonia Bernsbach I 4:4
1. BK: SVM II – SK König Plauen IV 5:3
Der wilde Tanz um die drittletzten Plätze geht im Punktspielbetrieb langsam in seine letzte Phase. Allerorten wird gekämpft, niemand hat mehr was zu verschenken.
In dieser Situation traf uns die Nachricht über zwei krankheitsbedingte Ausfälle besonders hart. Kam doch mit Bernsbach ein Gegner nach Markneukirchen, welchen wir aus heißen Bezirksligakämpfen noch ziemlich gut kennen.
Da es für unsere Zweite nun wirklich um nichts mehr ging, durften wir wieder einmal in dankenswerter Weise in deren Personalkiste greifen. Claus-Peter ist in solchen Fällen ja sowieso immer dran und Karlheinz, der in letzter Zeit mit kräftigen Erfolgen von sich reden macht, musste auch nicht lange gebettelt werden.
An Brett 6 trafen zwei Urgesteine der beiden Vereine aufeinander: Unser Ralf gegen Heinz Wesely. Da musste keiner dem anderen vorgestellt werden, das sind einfach Klassiker. Ich weiß nicht recht, ob Heinz immer so angriffsfreudig spielt oder ob er mit Ralf besonders kurzen Prozess machen wollte. Jedenfalls opferte er im Königsangriff eine Figur (unnötig, wie ich denke), die Ralf auch prompt kassierte. Gerechtfertigt war das Opfer zu guter letzt auch nicht, der Angriff wurde zwar fortgesetzt, aber Zug für Zug konnte Ralf seine Stellung verbessern. Und dann rannte Ralf los. Wie waren doch gleich die letzten Worte der Großwildjägers Heinz, als der wütende Ralf angerast kam? “Upps, Ladehemmung…” So stand es auf einmal 1:0, wir hatten einen strahlenden Sieger. Ralf haderte diesmal gar nicht mit sich, er konnte sich endlich wieder einmal über einen ganzen Punkt freuen! Nun, wir freuten uns gerne mit ihm.
Steffen machte den nächsten Punkt für Neikirng. Ralf Schieck brachte ihn mit seinem Remisgebot zwar kurz in Konflikte, aber Steffen lehnte ab und zog durch. Die Führung war erhofft, allerdings nicht erwartet und schon gar nicht von langer Dauer.
Karl-Heinz Vogel opferte an Brett 2 eine Figur für mehr Aktivität und eine halboffene Linie. Eine Figur ist aber nicht wenig Material und wenn man nichts Handfesteres dafür kriegt, als eine bessere Stellung, muss man damit rechnen, dass es am Ende nicht reicht. Jedenfalls war nur ein kleiner Anflug von Angriff zu sehen, welcher sich mehr und mehr pulverisierte und – im Gegenteil – sogar noch umdrehte. Das kostete weiteres Material und damit die Partie.
Sein Fast-Namensvetter Karlheinz Sandner geriet in ausgeglichener Stellung doch noch ins Hintertreffen und verlor. Mehr ist mir leider nicht bekannt. Bei Matthias, meinem anderen Brettnachbarn, schaute ich da schon mehr mit rein. Dort zog Volker Wesely ein lupenreines Spiel auf und drückte auf Matthias’ Königsflügel. Das sah eigentlich gar nicht so aggressiv aus, aber das Spiel nach vorn stand auf solidem Fundament. Die Angriffsfiguren wurden durch die Schwerfiguren unterstützt, wie man es in jedem Lehrbuch findet. Die Partie gipfelte in einer Bauernumwandlung mit Mehrtempo für den Bernsbacher. Matthias bekam seinen Bauern anschließend nicht mehr durch und gab das Spiel auf.
Drei Niederlagen in Folge ließen den Vorteil auf die erzgebirgische Seite wandern. Allerdings hatte ich irgendwann den Lichtblick eines Teilzeitdenkers und konnte ausgleichen. Ich erspielte mir einen Mehrbauern, wofür ich zwei gute Angriffsfiguren tauschen lassen musste. Bauer ist Bauer, sagte ich mir und spielte konsequent auf diesen Vorteil. Nach Generalabtausch blieb dann tatsächlich ein Bauernendspiel mit Springern übrig, in welchem aufgrund besserer Stellung und eben dieses Bauern ein Punkt für die Mannschaft und mich heraussprang.
Claus-Peter kämpfte in einer zähen Partie verbissen um jeden Vorteil. Nach eigener Aussage hatte er zweimal den Siegzug auf dem Brett, sah ihn aber jeweils erst nach ausgeführtem Nicht-Siegzug. Auf der anderen Seite gab es allerdings auch Abschnitte, in denen der Bernsbacher auf der Gewinnstraße zu sein schien. Dann die folgende Szene: Der weiße (Bernsbacher) Turm steht auf g7, ein Bauer auf h7 und droht mit Umwandlung. Schwarz hat König und Turm auf der 6. Reihe und muss mit dem Turm nach h6 ziehen. Das sah der Spitzenbrettspieler Steeger, der ein offenes Remisgebot von Gerd hatte, stürmte an sein Brett und nahm das Remisgebot an. Wahrscheinlich sah er damit den Gesamtsieg gesichert. Natürlich sah Claus-Peters Kontrahent das Turmschach auf g6, mit welchem er den Turm opfern und anschließend den Bauern auf h8 einziehen konnte. Und an dieser Stelle scheiden sich die Geister: Kann Schwarz (König, Turm und 3 Bauern, von denen 2 verbunden sind) gegen Weiß (König, Dame) gewinnen, oder muss er gar mit einem Remis zufrieden sein? Ich verspreche Euch, ich reiche die genaue Stellung nach, denn ich habe sie nimmer ganz genau im Kopf. Beim Stand von 3,5:3,5 ist diese Partie das Zünglein an der Waage. Claus-Peter hatte noch 28 Minuten für den ganzen Rest der Partie. Während sich Weiß mit der Dame auch durchaus einmal einen schwachen Zug erlauben darf, kann jeder Fehler auf schwarzer Seite den Turm und damit Spiel, Satz und Match – soll heißen Spiel, Runde und Abstieg – kosten. Claus-Peter versuchte zwar noch ein paar Züge, aber ich denke, wir waren uns alle einig, dass das Risiko weiterzuspielen, nicht gerechtfertigt gewesen wäre. Also Remis. Wieder einmal war ein Punktspiel erst 14:15 Uhr entschieden, wieder einmal mit dem letzten Spiel. Ich weiß nicht, ob wir jetzt traurig sein sollten, nicht gewonnen und damit den Klassenerhalt gesichert zu haben, oder uns freuen sollten, nicht verloren zu haben. Immerhin haben wir uns die Möglichkeit aufrechterhalten, aus eigener Kraft die Klasse zu halten. Erst in der letzten Runde wird entschieden, wo wir im nächsten Jahr spielen. Ist doch schon mal was für das erste Mal in der 2. Landesklasse. Wer hatte uns so lange auf der Rechnung?
Dass sich unsere Zweite nach der 8. Runde mannschafts- und brettpunktgleich mit Adorf auf dem 2. Tabellenplatz befindet, hätte wohl niemand ernsthaft in Betracht gezogen, weder für Adorf noch für SVM II. Ihr erinnert Euch, dass für beide Mannschaften das Saisonziel im Klassenerhalt bestand. Das wurde schon früh erreicht und man durfte frisch aufspielen. Dass dann immer mehr geht als unter Druck, ist bekannt. Die 8. Runde gegen den Tabellenletzten aus Plauen wurde von unserer Zweiten zwar gewonnen, allerdings als Bockrunde. Ute fasste zusammen, dass zum Punktspiel noch nie so viele “Böcke geschossen” wurden wie an diesem denkwürdigen Tag. Die Fehler waren auf beiden Seiten dermaßen gravierend, dass ich beschlossen habe, keine Namen und Einzelheiten zu nennen. Manches sollte in dem Raum verbleiben, in welchem es gespielt wurde. Und dann abgehakt werden. Ein mehr als glücklicher Sieg für die Neikirnger, welche, wie eingangs schon erwähnt, um zwei Leistungsträger dezimiert wurden.
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8.März 2009 at 00:16
Der Bessere soll in der 2. Landesklasse verbleiben. Nur der, der an sich glaubt, hat eine Chance zu gewinnen. stv